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Haare spenden für Krebskranke (Viele Fragen und nur eine Antwort)

Haare spenden für einen guten Zweck: Das ist meine Haarspende, die an den Verein Haarfee nach Wien ging.

Am Anfang stand die Idee: „Ich könnte meine Haare für einen guten Zweck spenden…“ Am Ende habe ich meine Haare für krebskranke Kinder gespendet und bekam nicht nur viel Zuspruch über meine Social Media Kanäle, sondern konnte auch fast 1.500 Euro an Spenden an zwei Kinderhospize in Lise-Meitner-Straße 13
71364 Winnenden und Hamburg weiterleiten.

Seit dem letzten Sommer rangiert mein Erfahrungsbericht über meine Haarspende auf der ersten Seite bei Google, wenn jemand „Haare spenden“ bzw. „Haare spenden für Krebskranke“ sucht. Das spült immer mal wieder eine konkrete Frage in meinen Posteingang oder einen Kommentar direkt unter den Blogbeitrag. Manchmal sind es Kleinigkeiten, wie zum Beispiel die Frage, ob man auch seine Haare spenden kann, wenn sie schon grau sind oder wie man sicher sein kann, dass die Haarspende wirklich direkt bei Bedürftigen, wie in meinem Fall krebskranken Kindern ankommt.

Heute habe ich aber diese E-Mail hier bekommen:

„Sehr geehrte Frau Lüttich,

ich bin auf Ihre „Haare spenden: Mamas Zopf für Krebskranke Kinder“ Aktion gestossen. Ich plane momentan etwas ähnliches. Ich möchte mir eine Glatze rasieren lassen und ähnlich wie bei einem Spendenlauf dafür vorher Sponsoren suchen. Ich bin auf die Idee durch ein ähnliches Projekt in den USA gekommen (). Meine abgeschnittenen Haare möchte ich dann wie Sie spenden und das gesammelte Geld soll and das Kinderhospiz Sternenbrücke gehen. Ich hoffe noch einige andere mit ins Boot zu holen und auch zum mitmachen zu motivieren.

Ich brüte nun schon das ganze Wochenende über dem Projekt und der möglichen Umsetzung. Meine große Sorge ist es, dass sich Menschen, die ihre Haare durch eine Krankheit verloren haben, durch die Aktion verletzt fühlen. Mir geht es darum zu unterstützen, aufmerksam zu machen und hoffentlich mit der Spende der Haare noch einige Menschen glücklich zu machen.

Ich habe das Gefühl, dass Menschen, die eine Glatze haben in unserer Gesellschaft schnell stigmatisiert werden. Die Idee, dass dies eine freiwillige Entscheidung war, kommt den meisten nicht. Das ganze wird zu einem Ausschlusskriterium: Wer keine Haare hat, mit dem stimmt etwas nicht. Ich denke, dass es dadurch besonders für Menschen die krankheitsbedingt ihre Haare verloren haben, schwierig ist sich selbst zu akzeptieren. Weder sind sie in der Öffentlichkeit wirklich repräsentiert, noch bekommen sie die notwendige Rückmeldung. Darauf würde ich gerne aufmerksam machen und vielleicht auch in winzig kleinen Schritten zu einer Veränderung beitragen.

Nichtsdestotrotz macht es mir Bauchschmerzen, wie das Projekt bei Betroffenen ankommen wird. Ich würde mich sehr freuen wenn Sie mir vielleicht berichten würden, was für Rückmeldungen sie bekommen haben? Unter Umständen vielleicht auch von Betroffenen?

Mit freundlichen Grüßen, N.“

Ich weiß gar nicht, was ich in dem Fall antworten kann und ob ich überhaupt die richtige Ansprechperson für diese Frage bin. Versteht mich nicht falsch, ich würde es jederzeit wieder tun und möchte jede gern ermutigen, seine Haare zu spenden. Aber ich kann nur aus meiner subjektiven Sicht sprechen und vor allem nur für mich. Bin ich überhaupt in der Position, einen qualifizierten Rat zu geben?

Bestärkt durch meine Kinder stellte sich für mich die Frage ab einem gewissen Punkt gar nicht mehr, ob ich meine Haare für den guten Zweck spende, sondern wie ich sie spende, damit möglichst viele Menschen von der Möglichkeit einer Haarspende erfahren.

Als ich heute diese E-Mail und die damit verbundenen Fragen las, musste ich mir aber eingestehen, dass ich nicht weiß wie Betroffene darauf reagieren würden. Ein Pixie-Schnitt ist das eine und war bei mir nur das Resultat, dass ich dem Friseur sagte, er solle so schneiden, dass der Zopf so lang wie möglich wird. An dieser Stelle übrigens nochmal ein großer Dank , der mir als seinen Beitrag zur Haarspendenaktion die Haare komplett gratis geschnitten hat.

Tatsächlich kann ich nur eine Antwort geben, die leider so wenig hilfreich ist, wie sie schwülstig klingt: Wer mit der Idee spielt, seine Haare für den guten Zweck zu spenden – und das müssen nicht immer zwangsläufig Krebskranke sein – der sollte einfach auf sein Bauchgefühl hören. Man kann im Kleinen und ganz ohne Social Media Rummel seine gute Tat vollbringen und wird danach mit Sicherheit das Gefühl haben, wirklich etwas Gutes getan zu haben. Aber wenn man denkt, dass man durch seine Aktion auch andere zu einer Haarspende bewegen könnte, dann finde ich das unterstützenswert. Nur stehe ich mit niemandem in Kontakt, der mir wegen der E-Mail heute einen Rat geben könnte.

Deswegen die Frage ans große weite Internet und euch: Kennt ihr jemanden, der jemanden kennt, der berichten könnte, wie solche Aktionen, sich eine Glatze rasieren zu lassen, bei Betroffenen ankommen würde? Ich bin über eure Meinungen und Erfahrungsberichte dankbar. Gern auch an [email protected], wenn es nicht öffentlich über die Kommentarfunktion sein soll.

Übrigens: Meine Sammelaktion anlässlich der Haarspende für krebskranke Kinder läuft unter ➽  weiter. Ich freue mich über jeden einzelnen Euro, den ich an die Kinderhospize weiterleiten kann.

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