Kind & Kegel
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Was auf den Tisch kommt, wird gegessen!

Was auf den Tisch kommt, wird gegessen.

„Oh, lecker mit Kartoffeln!“, ruft Kind 1.0, während er noch nicht einmal mit dem Hintern auf seinem Stuhl oben ist. „Iiiiiiiich, will aber gar keine Kartoffeln! Nur Möhren!“, quakt Kind 2.0, die es trotz wallendem Prinzessinnen-Kostüm irgendwie auf den Hochstuhl geschafft hat. Ich frage meinen Nachwuchs mit genervtem Blick, ob wir uns vielleicht erst einmal alle hinsetzen können, bevor wir einzeln aufdröseln, was jeder aus der großen Pfanne zu essen gedenkt, die da vor uns auf dem Tisch steht.

Eine ziemlich normale Szene, wenn’s bei uns Abendessen gibt. Ich nehme mir zuerst einen großen Löffel voll von der Gemüsepfanne und lobe den Koch. „Was auf den Tisch kommt, wird gegessen.“, möchte ich eigentlich liebsten in diesem Moment sagen, aber ich finde den Satz für sich allein stehend ziemlich blöd. Bevor ich Mutter wurde, hatte ich mir vorgenommen, ihn meinen Kindern gegenüber nicht zu verwenden, genauso, wie ich nie ein Taschentuch mit Spucke befeuchten wollte, um ihnen damit etwas aus dem Gesicht zu wischen. Beides habe ich tatsächlich bis heute geschafft!

Was auf den Tisch kommt, wird gegessen. Und gelegentlich bei veröffentlicht…

Wenn überhaupt, dann müsste die Regel erweitert werden in so etwas wie: „Was auf dem Tisch steht, kann gegessen werden. Reihenfolge und Zusammensetzung sind allerdings egal.“ Es war erst wieder , dass der Erziehungsstil durchaus etwas mit dem Risiko zu tun hat, dass Kinder und Jugendliche übergewichtig werden. Im Fall unserer heutigen Gemüsepfanne einigten sich beide Kinder nach kurzer Bedenkzeit darauf, dass sie sämtlichem grünen und gelbem Gemüse keine Beachtung schenken werden. Bei Möhren und Kartoffeln wurde jedoch um Nachschlag gebeten. Wir als Eltern kamen also heute gar nicht erst in die Situation, irgendwelche Erziehungsmaßnahmen ergreifen zu müssen.

Wer einen bekennenden Obst- und Gemüsefan wie mich zur Mutter hat, muss natürlich damit rechnen, dass öfter mal etwas von dem Zeug auf den Tisch kommt. Sollten allerdings Pudding oder sonstige Desserts auf dem Tisch stehen, dürfen die, wie alles andere auch, wahlweise zuerst gegessen werden. Das führt manchmal zu komischen Blicken bei der Großeltern-Generation, wenn diese mit uns isst und mitunter dazu, dass erst nach dem Pudding die mittlerweile lauwarmen Nudeln von den Kindern hineingeschaufelt werden. Aber wer bin ich denn, dass ich einen Pudding zu etwas so Besonderem erhebe, das erst gegessen werden darf, wenn das (olle) Hauptgericht aufgegessen wurde?

Den Nachtisch gab es heute übrigens schon eine gute Stunde vor dem Abendessen. „Stücke-Äpfel mit ohne Schale.“, um es mit den Worten von Kind 2.o zu sagen. Guten Appetit!